Eine Anleitung zum Verhalten mit Diabetes – für Menschen ohne Diabetes
Posted by | Posted in Allgemein | Posted on 17-12-2011
- Bitte gib keine ungewünschten Ratschläge über mein Essen oder
andere Dinge im Diabetes. Du meinst es gut, aber Ratschläge zu
meinen persönlichen Gewohnheiten, besonders ungefragt, ist nicht
sehr nett. Zudem sind manche populären Annahmen über Diabetes
(Du sollst keinen Zucker essen“) altmodisch oder sogar total falsch.
- Frage wie Du nützlich sein kannst. Wenn Du mich unterstützen willst,
gibt es einen Haufen kleine Dinge, bei denen ich Hilfe schätze. Aber
was ich wirklich brauche kann sehr verschieden sein von dem, was
Du denkst, dass ich brauche. Frage mich daher zuerst.
- Schaue nicht erschrocken, wenn ich meinen Zucker messen muss oder mir Insulin
verabreiche. Es ist auch für mich nicht lustig. Blutzucker-Messen und Medikamente
nehmen sind Dinge, die ich tun muss um meinen Diabetes gut zu beherrschen.
Wenn ich mich dabei verstecken muss, wird es viel schwerer für mich.
- Biete mir an, mit mir gewisse Lebensgewohnheiten zu ändern. Nicht allein zu sein bei
meinem Bemühen um Veränderung ist einer der besten Wege wie Du mir helfen kannst.
Zudem gewinnen wir beide von einem gesunden Lebensstil.
- Erzähle mir keine Horror-Geschichten über Deine Grossmutter oder andere Leute
mit Diabetes, von denen Du gehört hast. Diabetes ist unheimlich genug, und solche
Geschichten sind nicht beruhigend. Zudem wissen wir heute, dass mit einer guten
Einstellung die Aussichten auf ein langes, glückliches und gesundes Leben mit Diabetes
gut sind.
- Verstehe und anerkenne, dass der Umgang mit Diabetes harte Arbeit ist. Das
Bewältigen von Diabetes ist eine Vollzeit-Beschäftigung, um die ich mich nie beworben
habe, die ich nicht wollte und trotzdem jetzt nicht aufgeben kann. Es beinhaltet das
Denken über was, wann und wie viel ich essen kann, während ich gleichzeitig berechne,
wie sich Bewegung, Stress und die Arbeit auf den Zucker auswirkt. Ich muss Blutzucker messen, Insulin spritzen, die Medikamente nehmen, an den Arztbesuch denken und
vieles mehr – jeden Tag.
- Unterstütze meine Anstrengungen, mit dem allem zurecht zu kommen. Hilf mir bei
meinen Anstrengungen, gesund zu essen. Respektiere meinen Entscheid, etwas
bestimmtes nicht zu essen, selbst wenn es Dir wichtig wäre, dass ich es versuche. Du
hilfst mir dann am meisten, wenn Du nicht auch noch versuchst, mich in Versuchung zu
führen.
- Schiele nicht auf meine Blutzucker-Resultate und kommentiere Sie nicht, ohne dass
ich Dich darum bitte. Diese Zahlen gehören mir, ausser ich möchte sie mit jemandem
teilen. Es ist normal, Werte zu haben, die zeitweise zu hoch oder zu tief sind. Deine
unverlangten Kommentare dazu können meine Enttäuschung, meinen Ärger und meine
Frustration über schlechte Werte nur noch grösser machen.
- Biete mir Deine Liebe und Deine Ermutigung an. Ich arbeite hart daran, meinen
Diabetes gut einzustellen, auch weil ich spüre, dass ich Dir wichtig bin. Versuche nicht,
mich mit gedankenlosen Sprüchen zu trösten. Wenn Du zum ersten Mal von meinem
Diabetes hörst, wirst Du mich wahrscheinlich beruhigen wollen mit Aussagen wie: “Es
könnte schlimmer sein, Du könntest Krebs haben!” Das wird mir nicht helfen, mich
besser zu fühlen. Und es tönt wie: Diabetes ist keine grosse Sache. Aber Diabetes, wie
Krebs, IST eine grosse Sache.
Übersetzt nach einem Text von:
William H. Polonsky, PhD, CDE
Chief Executive Officer, Behavioral Diabetes Institute
Associate Clinical Professor,
University of California, San Diego
Textquelle: http://www.bayerdiabetes.ch/documents/service/gratisangebote/polonsky/Anleitung_zum_Umgang_mit_Menschen_mit_Diabetes_de.pdf
